KI-gestützte Recherche und Quellenarbeit kritisch einordnen
KI-gestützte Recherchewerkzeuge können Studierende dabei unterstützen, sich einen ersten Überblick über ein Thema zu verschaffen und relevante Literatur zu finden. Die Ergebnisse hängen jedoch vom verwendeten Werkzeug, dessen Datenbasis und der konkreten Suchanfrage ab. Quellen können fehlen, falsch zugeordnet oder nur unvollständig berücksichtigt werden.
In dieser Übung vergleichen Studierende deshalb eine klassische wissenschaftliche Recherche mit einer KI-gestützten Recherche. Sie prüfen die gefundenen Quellen und untersuchen, wo KI bei der Recherche hilfreich sein kann und wo eine eigenständige Überprüfung notwendig bleibt.
So können Sie vorgehen
1. Eine geeignete Recherchefrage festlegen – ca. 5 Minuten
Wählen Sie eine fachliche Fragestellung, zu der ausreichend wissenschaftliche Literatur vorhanden ist. Die Studierenden können eine gemeinsame Fragestellung bearbeiten oder eigene Themen verwenden.
2. Klassisch recherchieren – ca. 10–15 Minuten
Die Studierenden recherchieren beispielsweise in einer Fachdatenbank, einem Bibliothekskatalog oder einer wissenschaftlichen Suchmaschine und wählen einige relevante Quellen aus.
Dabei halten sie kurz fest:
- Welche Suchbegriffe wurden verwendet?
- Welche Quellen erscheinen besonders relevant?
- Nach welchen Kriterien wurden diese ausgewählt?
3. Mit KI recherchieren – ca. 10–15 Minuten
Anschließend bearbeiten die Studierenden dieselbe Fragestellung mit einem KI-gestützten Recherchewerkzeug. Sie lassen sich beispielsweise fünf wissenschaftliche Quellen nennen, die für die Fragestellung besonders relevant sein sollen.
4. Rechercheergebnisse vergleichen – ca. 15 Minuten
Die Studierenden vergleichen beide Ergebnislisten. Mögliche Leitfragen:
- Welche Quellen finden sich in beiden Recherchen?
- Sind die von der KI genannten Quellen tatsächlich vorhanden und auffindbar?
- Sind Autor:innen, Titel, Erscheinungsjahr und andere bibliografische Angaben korrekt?
- Welche Publikationsarten werden gefunden – beispielsweise Zeitschriftenartikel, Bücher oder Konferenzbeiträge?
- Welche Erscheinungsjahre und Sprachen sind vertreten?
- Welche relevanten Quellen fehlen?
- Welche der gefundenen Quellen würden Sie tatsächlich für eine wissenschaftliche Arbeit verwenden – und warum?
Die Ergebnisse können anschließend im Plenum oder in Kleingruppen diskutiert werden.
5. Einsatzmöglichkeiten und Grenzen festhalten – ca. 5 Minuten
Die Studierenden formulieren abschließend, wofür sie KI bei einer zukünftigen wissenschaftlichen Recherche einsetzen würden und welche Ergebnisse sie dabei grundsätzlich überprüfen müssten.
Beispielprompt
Ich recherchiere zum Thema [Thema] und untersuche folgende Fragestellung:
[Fragestellung]
Nenne mir fünf wissenschaftliche Quellen, die für diese Fragestellung besonders relevant sind.
Gib für jede Quelle an:
Autor:in bzw. Autor:innenvollständigen TitelErscheinungsjahrPublikationsartDOI oder einen anderen eindeutigen Nachweis, sofern vorhandenkurze Begründung, warum die Quelle für meine Fragestellung relevant ist
Erfinde keine Quellen. Wenn du die Existenz oder bibliografischen Angaben einer Quelle nicht sicher überprüfen kannst, kennzeichne dies ausdrücklich.
Variante zur Vertiefung
Lassen Sie die Studierenden nicht nur die gefundenen Quellen vergleichen, sondern auch eine KI-generierte Zusammenfassung mit der Originalquelle.
Dazu wählen sie eine tatsächlich verfügbare Publikation aus und lassen zentrale Aussagen durch ein KI-System zusammenfassen. Anschließend prüfen sie die Zusammenfassung anhand des Originaltextes:
- Werden die zentralen Aussagen korrekt wiedergegeben?
- Fehlen wichtige Einschränkungen oder Voraussetzungen?
- Werden Aussagen stärker verallgemeinert als im Original?
- Lassen sich die Aussagen der KI konkreten Stellen im Original zuordnen?
- Welche Informationen müssten vor einer Verwendung in einer wissenschaftlichen Arbeit zusätzlich überprüft werden?
Dieses Praxisbeispiel basiert auf einem Material von KI@FU, Freie Universität Berlin.