KI als Feedbackgeber: KI- und Peer-Feedback vergleichen
KI kann Studierenden schnell und wiederholt Feedback zu Texten und Entwürfen geben. Dieses Feedback kann jedoch allgemein bleiben oder den fachlichen Kontext und die konkrete Aufgabenstellung nur unzureichend berücksichtigen.
In dieser Übung vergleichen Studierende deshalb Peer-Feedback und KI-Feedback zum selben Text. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Frage, welches Feedback besser ist. Die Studierenden prüfen die Rückmeldungen, diskutieren Unterschiede und entscheiden begründet, welche Hinweise sie für die eigene Überarbeitung nutzen.
So können Sie vorgehen
1. Kriterien für gutes Feedback klären – ca. 5 Minuten
Besprechen Sie mit den Studierenden, was hilfreiches Feedback auszeichnet. Mögliche Kriterien sind:
- Bezug zur Aufgabenstellung und zum Lernziel
- konkrete Beobachtungen am Text
- nachvollziehbare Begründungen
- Priorisierung wichtiger Punkte
- konkrete Hinweise für die weitere Überarbeitung
2. Peer-Feedback geben – ca. 10 Minuten
Die Studierenden tauschen einen kurzen eigenen Text, eine Gliederung oder ein Exposé aus und geben sich anhand der vereinbarten Kriterien gegenseitig Feedback.
3. KI-Feedback einholen – ca. 10 Minuten
Anschließend holen die Studierenden zu demselben Text Feedback von einem KI-System ein. Sie geben dabei den fachlichen Kontext, die Aufgabenstellung, die Textsorte und die zuvor festgelegten Kriterien an.
4. Beide Rückmeldungen vergleichen – ca. 10 Minuten
Lassen Sie die Studierenden Peer- und KI-Feedback gegenüberstellen. Mögliche Leitfragen:
- Welche Rückmeldung ist konkreter?
- Welche berücksichtigt den fachlichen Kontext besser?
- Welche Hinweise sind tatsächlich hilfreich?
- Wo bleibt das KI-Feedback zu allgemein?
- Was erkennt die andere Person besser?
- Gibt es Aussagen der KI, die fachlich überprüft werden müssen?
- Bei welchen Hinweisen sind sich Peer und KI einig – und wo widersprechen sie sich?
Die Ergebnisse können anschließend im Plenum oder in Kleingruppen diskutiert werden.
5. Überarbeitungsschritte auswählen – ca. 5 Minuten
Die Studierenden wählen aus beiden Rückmeldungen Hinweise aus, die sie für sinnvoll halten, und überarbeiten ihren Text entsprechend.
Anschließend halten sie kurz fest:
- Welche Hinweise habe ich übernommen?
- Welche habe ich nicht übernommen?
- Warum habe ich mich so entschieden?
Damit endet die Aufgabe nicht beim Erhalten und Vergleichen von Feedback. Die Studierenden müssen selbst entscheiden, wie sie mit den Rückmeldungen weiterarbeiten.
Beispielprompt
Ich studiere [Fach] und arbeite an [Textsorte]. Die Aufgabenstellung lautet: [Aufgabenstellung].
Bitte überarbeite meinen Text nicht, sondern gib mir gezieltes Feedback dazu.
Beurteile den Text nach folgenden Kriterien:
Bezug zur AufgabenstellungKlarheit der zentralen AussageAufbau und argumentative StrukturVerwendung von Fachbegriffenwichtigste nächste Überarbeitungsschritte
Nenne zu jedem Punkt:
eine konkrete Beobachtung am Text,eine kurze Begründung,die Priorität: hoch / mittel / niedrig,einen konkreten Hinweis zur Verbesserung.
Wenn du etwas fachlich nicht sicher beurteilen kannst, kennzeichne das ausdrücklich.
Hier ist mein Text: [Text]
Variante zur Vertiefung
Lassen Sie die Studierenden zunächst mit einer sehr allgemeinen Aufforderung arbeiten:
„Gib mir Feedback zu diesem Text.“
Danach werden gemeinsam Kriterien für hilfreiches Feedback festgelegt und der Prompt entsprechend überarbeitet. Die Studierenden vergleichen beide KI-Antworten: Welche zusätzlichen Informationen haben das Feedback tatsächlich verbessert? Wo bleiben auch mit einem detaillierteren Prompt Grenzen bestehen?
Weiterführende Literatur
Dieses Praxisbeispiel basiert auf einem Material von KI@FU, Freie Universität Berlin.