KI als Reflexionsinstrument im wissenschaftlichen Arbeiten

Wie verändert sich wissenschaftliches Arbeiten, wenn KI eingesetzt wird? Um diese Frage für Studierende erfahrbar zu machen, können einzelne Arbeitsschritte zunächst selbst und anschließend mit Unterstützung von KI durchgeführt werden.

Die Studierenden vergleichen dabei nicht nur die entstandenen Ergebnisse. Sie reflektieren vor allem, wie sich ihr eigener Arbeitsprozess durch den Einsatz von KI verändert: Wo entstehen neue Ideen? Welche Entscheidungen werden durch KI beeinflusst oder möglicherweise an sie abgegeben? Was wird einfacher? Und wo bleiben eigenes fachliches Wissen und Urteilsvermögen unverzichtbar?

So können Sie vorgehen: Beispiel Hausarbeit

Das Vorgehen kann genutzt werden, um Studierende über den Entstehungsprozess einer Hausarbeit zu begleiten.

Definieren Sie dafür zunächst geeignete Arbeitsschritte, beispielsweise:

  • Thema eingrenzen und Fragestellung entwickeln
  • Literatur recherchieren und auswählen
  • Gliederung entwickeln
  • Argumentation aufbauen
  • einzelne Textabschnitte ausarbeiten
  • Arbeit überarbeiten

Für jeden ausgewählten Arbeitsschritt wird anschließend dasselbe dreistufige Vorgehen angewendet:

1. Zunächst selbst arbeiten

Die Studierenden bearbeiten den jeweiligen Arbeitsschritt zunächst ohne generative KI. Sie dokumentieren kurz ihr Vorgehen und halten ein Zwischenergebnis fest.

2. Anschließend KI einsetzen

Danach bearbeiten die Studierenden denselben Arbeitsschritt mit Unterstützung eines KI-Werkzeugs. Auch hier dokumentieren sie ihr Vorgehen, beispielsweise die verwendeten Prompts und relevante Ergebnisse.

3. Unterschiede reflektieren und eigene Arbeit weiterentwickeln

Die Studierenden vergleichen ihre Arbeitsprozesse und Ergebnisse mit und ohne KI. Anschließend entscheiden sie, welche Erkenntnisse oder Anregungen sie für ihre weitere Arbeit nutzen möchten.

Mögliche Reflexionsfragen sind:

  • Was hat sich durch den Einsatz der KI an meinem Vorgehen verändert?
  • Welche neuen Ideen oder Perspektiven sind entstanden?
  • Welche Entscheidungen hat mir die KI erleichtert oder möglicherweise abgenommen?
  • Was musste ich selbst fachlich überprüfen?
  • Was habe ich ohne KI anders oder intensiver bearbeitet?
  • Welche Anregungen der KI übernehme ich – und warum?
  • Welche Vorschläge verwerfe ich – und warum?
  • Wie möchte ich KI bei diesem Arbeitsschritt künftig einsetzen?

Reflexions- und Coachinggespräche einplanen

Nach ausgewählten Arbeitsschritten können kurze persönliche Gespräche mit den Studierenden stattfinden. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Kontrolle der KI-Nutzung, sondern die Reflexion des eigenen Arbeitsprozesses.

Die Studierenden erläutern beispielsweise, wie sie vorgegangen sind, an welchen Stellen KI ihre Entscheidungen beeinflusst hat und warum sie bestimmte Vorschläge übernommen oder verworfen haben.

Die Gespräche geben Lehrenden zugleich Einblick darin, ob die Studierenden ihre fachlichen und methodischen Entscheidungen nachvollziehbar begründen können.

 

Kleine Variante für die Lehrveranstaltung

Das Prinzip muss nicht über eine ganze Hausarbeit hinweg eingesetzt werden. Auch ein einzelner Arbeitsschritt kann Gegenstand einer kurzen Übung sein.

Lassen Sie die Studierenden beispielsweise zunächst selbst eine Gliederung, Recherchestrategie, Argumentation oder Lösungsidee entwickeln. Anschließend bearbeiten sie dieselbe Aufgabe mit Unterstützung eines KI-Werkzeugs.

Danach vergleichen sie beide Arbeitsprozesse und Ergebnisse.

Die zentrale Frage lautet dabei nicht:

„Welche Lösung ist besser?“

sondern:

„Was hat sich durch den Einsatz der KI an Ihrer Arbeitsweise verändert?“

Mögliche Anschlussfragen sind:

  • Was hat die KI ergänzt oder verändert?
  • Welche eigenen Überlegungen waren für die Bearbeitung wichtig?
  • Welche Vorschläge der KI mussten Sie überprüfen?
  • Was würden Sie beim nächsten Mal selbst machen und wobei würden Sie KI einsetzen?

So lässt sich das Grundprinzip auch mit überschaubarem Zeitaufwand in eine einzelne Lehrveranstaltung integrieren.

 

Dieses Praxisbeispiel basiert auf dem Lehrkonzept von Prof. Dr. Anna Lea Dyckhoff, FH Aachen : 

KI als Reflexionsinstrument im wissenschaftlichen Arbeiten

Letzte Änderung: 23.09.2026 -
Ansprechpartner: Webmaster